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27. April 2019

ManuTeeFaktur: Auf sich hören und Tee trinken

In einem Kreuzberger Hinterhof am Paul-Lincke-Ufer in Berlin befindet sich die ManuTeeFaktur. Ich bin dort an einem schönen Frühlingstag mit dem Gründer und Inhaber Manu Kumar verabredet, weil ich ganz viel über Tee und sein Unternehmen erfahren möchte.

Teezeit im Salon

Als mir Manu die Tür zu seiner Manufaktur öffnet, werde ich als erstes von den vielen verschieden Aromen und bunten Farben der Teemixturen überwältigt. Wie das duftet! In dem vorderen Teesalon wandern meine Blicke dann auf das hohe hintere Regal, in denen die Tees in fein etikettierten Gläsern und alten Medizingefäßen aufbewahrt werden. Das Interieur, das Corporate Design und die Produkte sind en détail aufeinander abgestimmt. Dieser Ort lädt mich zum Verweilen ein. Zeit für Tee und das Interview.

Teekulturen und alte Rezepte

Manu Kumar studierte Architektur, lebte und arbeitete in Indien, Australien, Japan, Frankreich und Italien. Sein Vater stammt aus Indien und seine Mutter aus dem ehemaligen Ostpreußen. „Zu Hause war bei uns immer viel los“, erzählt er. „Es kamen viele internationale Gäste und Tee wurde immer getrunken.“
Auf seinen Reisen durch Asien lernte er verschiedene Teekulturen kennen und entdeckte den „echten“ Tee. Alte Rezepte und das Wissen über Gewürze und Zubereitungen, welche über Jahrhunderte weitergetragen wurden, nahm er auf diesem Wege schließlich mit nach Deutschland.

Wie aus einem Coworking-Büro eine Manufaktur wurde

Dort, wo heute Manu Kumar mit seinem multikulturellen Team von Experten Tee selbst herstellt und entwickelt, befand sich zuvor ein Coworking-Space, den er damals aufgebaut hatte und leitete. Als Zeichen der Gastfreundschaft bot er allen Kunden morgens eine Tasse Tee an. Seine Mixturen kamen nicht nur in seinem Büro gut an. Der gute Geschmack sprach sich rum und immer mehr Menschen wollten seinen Tee trinken. Manu professionalisierte sein Herstellung immer weiter, sodass sich das Büro im Laufe der Zeit zu dem Ort verwandelte, der er heute ist.

Richtig gute Tee-Klassiker

Im Mittelpunkt der ManuTeeFaktur stehen zum einen Trockenteemischungen wie der Schwarze Assam India oder der Grüne Tee Kahwah Kashmiri Chai. „Wir machen authentische Tees und beugen uns nicht ständig wechselnden Trendgeschmacksrichtungen. Daher haben wir uns auf die Klassiker spezialisiert. Diese machen wir richtig gut und verwenden dafür auch nur die besten Zutaten“, erzählt mir Manu. Ein weiterer Schwerpunkt sind die „Cold-Brew-Teas“. Zu denen zählt auch der Kombucha, ein fermentiertes Getränk, dem man eine heilende Wirkung nachsagt und das sehr erfrischend schmeckt. Besonders gut gefällt mir die Variante mit Minze und Gunpowder. Die Geschmacksnoten sind sehr subtil und erinnern mich keineswegs an einen süßen Eistee.

Global denken, lokal brauen

Für ihre Minztees baut die ManuTeeFaktur nachhaltig frische Nanaminze auf eigenen Feldern in der Nähe von Berlin an. „Wir möchten so viel wie möglich selber anbauen. Bei der Minze macht es aus energetischer Perspektive Sinn, sie vor Ort zu kultivieren.“ Auch Bio-Zitronengras brachten sie lokal in Gewächshäusern erfolgreich hervor. „Doch der Energieaufwand für Licht und Wärme war einfach zu hoch und der Geschmack war auch nicht besser, als wenn wir es direkt von unseren fairbezahlten Bauern in Asien anbauen und nach Berlin schicken lassen würden“, veranschaulicht mir Manu.

Das Motto der ManuTeeFaktur lautet „think global, brew local“. „Unsere Produkte kaufen wir dort, wo sie am besten sind. Das Rösten, Mischen und Brauen der Tees findet in unserer Manufaktur in Berlin statt. Auf diese Philosophie sind wir sehr stolz und durch sie erreichen wir die bestmögliche Qualität. Unsere Tees schmecken wie selbstgemacht und das sind sie auch.“ (lacht)

Echter Tee

Manu beschreibt mir, was für ihn einen echten Tee ausmacht. „Tee ist als erstes gesellschaftlicher Klebstoff. Dabei geht es um das Miteinander und um das sich Zeitnehmen für einander und auch für sich selbst. Zweitens ist Tee ein Genussmittel das schmecken muss.“ Tee sollte seiner Ansicht nach auch gesundheitliche Aspekte erfüllen und gut für einen sein. „Das hier Pestizide fehl am Platz sind versteht sich von selbst. Bio-Qualität ist für uns der absolute Standard!“

Teetrinken bedeutet sich Zeit zu nehmen und auf sich zu hören

Als ich Manu frage, ob er eine festes Teeritual am Tag hat, bin ich überrascht über seine Antwort. „Nein, habe ich nicht. Ich muss nicht meditieren, um Tee zu trinken.“ Er erzählt mir, dass er über den Tag verteilt sich Zeit für das Teetrinken und -zubereiten nimmt und je nach Stimmung und Zustand eine andere Sorte auswählt. Morgens zum Beispiel einen Grünen Tee — am liebsten sehr heiß, dadurch wird er sehr bitter. Dies sei eigentlich nicht üblich und auch nicht für jeden verträglich, aber er möge es. „Jeder ist eben ein anderer Typ. Trinke Tee, wie du dich fühlst und höre auf dich“, ist Manus Botschaft, die ich am Ende unseres Treffens mit auf den Weg nehme.

Ruhe und Achtsamkeit

Für zu Hause nehme ich mir den “Earl Grey Classic – flavoured Tea“ mit. In dieser Teemischung ist ein Öl aus der Rinde der Bergamotte Orange enthalten.

Jedes Mal, wenn ich das Glas öffne, halte ich meine Nase direkt über den Tee, weil er so gut duftet. Dann hole ich eine meiner schönsten Tassen und meine Kanne heraus. Als nächstes bereite ich den Tee zu, versuche zur Ruhe zu kommen und den Moment für mich zu genießen. Es ist eine einfache Art, achtsamer mit mir selbst umzugehen und ich danke Manu und seinem Team für ihre Inspiration.

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ManuTeeFaktur

Fotografie und Worte: Svenja Paulsen

 

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Bist du Teetrinker*in mit Leidenschaft und hast Tipps und Empfehlungen rund um das Thema? Dann freue ich mich, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt.

 

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