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10. Juni 2019

Die Sandgrube im Grunewald: Reise durch das Tal der Dünen

Wanderst du ein kleines Stück in den Grunewald hinein, blickst du wie auf einem Berg stehend auf einmal hinab in ein weites Tal, das alle die Sandgrube nennen. Über ein besonderes Naturerlebnis mitten in Berlin.

Der Weg zur Sandgrube

Wird meine Sehnsucht nach der Natur mal wieder so groß, dass ich am liebsten von der Stadt aufs Land ziehen möchte, plane ich mit meiner Familie gerne einen Ausflug in den Wald. Dieses Mal, an einem kühlen Frühlingstag, geht es zur Sandgrube im Jagen 86. Wir starten an der S-Bahn Station Grunewald und nach einem kurzen Spaziergang durch den größten Stadtwald Berlins, sind wir auch schon da. Es gibt mehrere Wege, die hinunter in die Sandgrube führen. Wir nehmen die verzweigte Holztreppe, welche wunscherschön umrankt von Bäumen und Büschen ist. Bevor ich hinabsteige, blicke ich noch einmal weit nach unten in das mir noch unbekannte Tal.

Die Entstehung eines neuen Biotops

Vor 36 Jahren hat man an diesem Ort Feinsand aus einer eiszeitlichen Teltowplatte für Bauzwecke abgebaut. Durch diese industrielle Nutzung bildete sich eine offene Fläche von 18 Hektar und einer Tiefe von bis zu 25 Metern. Nachdem der Abbau eingestellt wurde, entstand hier ein Lebensraum für speziell angepasste Tiere und Pflanzen, die sich auf den überwiegend vegetationsfreien und sonnenbeschienenen Flächen besonders wohl fühlen. Seit den 90er Jahren stehen 13 Hektar des Gebietes unter Naturschutz.

Die Kraft der Bäume

Als ich unten angekommen bin, wird mir die Größe dieser freien Fläche erst bewusst. Ich entdecke ganz weit hinten eine Gruppe von Bäumen, die mich erst wieder daran erinnert, dass ich mich mitten im Wald befinde. Tatsächlich versuchen die Bäume sich mit aller Kraft in der Sandgrube wieder ihren Platz zurückzuerobern. Es klingt paradox, aber damit es die Natur hier weiterhin so gut hat, wie bisher, müssen Gehölze gerodet werden. Den Naturschützern sei dies ein großes Bedürfnis.

Der kleine Pfad am Teich

Wir wandern über den mit Gras durchzogenen Sandboden weiter in Richtung Teich. An dieser Stelle ist die Grube so tief, dass sie unterhalb des Wasserspiegels liegt und sich dadurch mit Wasser gefüllt hat. Rechts am Teich vorbei, nehmen wir den kleinen Pfad mitten durch die fast unberührte Natur. Ich möchte am liebsten gar nicht mehr umkehren, so schön ist es hier. Es ist Anfang Frühling und alle Pflanzen sprießen wie verrückt. Schließlich machen wir uns wieder auf den Rückweg und ich freue mich über einen Graureiher, der kurz in meine Richtung schaut und zum Flug ansetzt.

Traum vom Meer

Mit dem Teich im Rücken blicken wir nun auf die größte Düne im Tal. Wir ziehen unsere Schuhe aus und stapfen durch den weichen Sand den Hang hinauf. Für einen kleinen Moment habe ich das Gefühl am Meer in den Dünen zu stehen. Auch wenn die See weit weit weg ist, stelle ich es mir einfach vor. Oben angekommen geht mein Traum langsam zu Ende und ich befinde mich wieder unter hohen Bäumen.

Empfehlungen für Zeit und Ort

Ein Ausflug in die Sandgrube ist wie eine Wanderung durch Berg und Tal, die ich dir empfehle, wenn du einmal komplett aus deinem Gedankenkarussell herausgerissen werden möchtest und Lust hast auf Entdeckungstour zu gehen. Du fragst dich, ob hier viele Menschen herkommen werden, weil du nach Ruhe suchst? Dann meide lieber die Wochenenden oder suche dir einen Tag aus, an dem das Wetter schlechter ist. Für einen Familienausflug ist die Sandgrube das perfekte Ziel.

Fotografie und Worte: Svenja Paulsen

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