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8. Februar 2019

Brotzeit in der Albatross Bakery

An einem kalten Wintermorgen kurz vor Sonnenaufgang in Kreuzberg-Berlin. Voller Vorfreude auf einen gemeinsamen Vormittag in der Albatross Bakery sehen wir durch die großen Fenster, wie all die warmen Kerzenlichter auf den kleinen Tischen den Raum hell erleuchten. Wie gemütlich es innen ist und es duftet so schön nach Sauerteigbrot und frischem Gebäck.

Täglich frische Brot- und Kuchenlieferung für kleine ambitionierte Cafés

Eine Woche zuvor trafen wir uns genau an diesem Ort mit Anders Alkaersig, einem der drei Inhaber der Albatross Bakery. Wir sprachen mit ihm über sein noch junges Handwerksunternehmen, das sich mit seinem überwältigend gutem Brot peu à peu in die Herzen vieler Berliner geschlichen hat. Gemeinsam mit dem Australier Luke Smetham gründete der gebürtige Däne Albatross 2017 zunächst als eine Großbäckerei mit Lieferservice. Ein Jahr später holten die beiden den Australier Geoff Stewart als Partner mit in ihr Boot. Die drei hatten zuvor viele Erfahrungen in der Berliner Gastronomieszene gesammelt und waren nun bereit ihre eigene Geschäftsidee in die Tat umzusetzen. „Wir stellten damals fest, dass es in Berlin sehr viele Cafés gibt, die einen Bedarf an täglich frischem Brot und Kuchen mit hoher Qualität haben, jedoch nur in kleinen Mengen. Die Mindestabnahmen der meisten Betriebe in der Branche sind einfach zu hoch für kleine Cafés“, erklärte uns Anders. Schließlich entwickelten sie das, was bisher gefehlt hatte: Einen kleinen Großhandel für die ambitionierte Berliner Cafészene mit kleinen Mindestabnahmen inklusive Belieferung.

Eigene Herstellung der Sauerteigbrote auf traditionelle französische Weise

„Alles begann in einem kleinen Hinterhof in Kreuzberg. Auf insgesamt 40m² hatten wir ein kleines Büro und unsere Backstube, in der wir zu Beginn in Ruhe ausprobierten“, erzählte Anders. Auf traditionelle französische Weise stellt Albatross die Brote nur mit Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig selbst her. Im Grunde ist es ein sehr einfaches Produkt, aber genau das macht es so komplex. Sauerteig braucht sehr viel Zeit. Damit sich der Geschmack und die Aromen voll entfalten können, werden die Teige mit langer kühler Gärung geführt. Die gute Qualität der Produkte hatte sich in Berlin schnell herumgesprochen. Heute beliefert Albatross viele der schönsten Cafés Berlins wie zum Beispiel das Isla und Tres Cabezas.

Der Geschmack der Sauerteigbaguettes und Blätterteiggebäcke

Zurück in die Gegenwart. Wir haben es uns inzwischen in der kleinen Bistroecke mit einem Cappuccino und Mandelcroissant gemütlich gemacht und beobachten die fröhlichen Gesichter der Kunden, die hier ihre Bestellungen entgegen nehmen. Das Brotregal und Tablett auf dem Tresen mit all den leckeren Blätterteiggebäcken nach skandinavisch französischen Vorbildern sind noch reichlich gefüllt. Es gibt zwei verschiedene Baguettesorten, die mit wilder Porung gebacken werden: ein reines etwas dunkleres Sauerteigbaguette und ein helles mit einer winzigen Menge Hefe. Beide sind außergewöhnlich aromatisch, mild-säuerlich im Geschmack, herrlich leicht, fluffig und knusprig. Die großen Sauerteiglaibe haben eine dunkle goldene Kruste, eine mittlere offene und unregelmäßige Porung, sowie eine saftige und fluffige Krume.
Wir erinnern uns daran, dass Anders Antwort auf die Frage „welches ist dein Lieblingsprodukt?“ „unser Croissant“ war. Auch wir lieben es und finden, dass es wunderbar buttrig, (aber keineswegs butterschwer), außen zart und knusprig, sowie innen blättrig weich schmeckt. Mhmm, dieser feine Duft nach buttrigen Röstaromen.

Die Eröffnung der Albatross Bakery

Im Sommer 2018 war es dann soweit. Anders, Luke, und Geoff erweiterten ihr Kerngeschäft und eröffneten die Albatross Bakery in den Räumen einer alten Traditionsbäckerei in der Graefestraße in Kreuzberg. „Hier in unserer Bäckerei probieren wir viel Neues aus — sie ist unser kleines Testlabor. Wir lieben es in unserem Laden mit unseren Nachbarn im direkten Kontakt zu sein und freuen uns über jedes Feedback“, erzählte uns Anders stolz. Dass die Bäckerei zu einem richtigen Kiez-Treffpunkt geworden ist, in der die Kunden auch ihre täglichen Schrippen (auf ausdrücklichen Wunsch) kaufen können, spürten wir schnell. Man kennt sich hier, behandelt sich herzlich und familiär, trinkt miteinander Kaffee und geht danach wieder seinen eigenen Weg. Das gefällt uns gut.

Nachhaltige Produkte und ein leidenschaftliches Team

Albatross beherbergt ein starkes Team leidenschaftlicher Bäcker, Servicekräfte und Baristas, die sich einem bewussten Geschäftsansatz verschrieben haben. Jedes einzelne Element ihres Produktionsprozesses wird berücksichtigt, um sicherzustellen, dass die Produkte sowohl lecker als auch nachhaltig sind. Die Mandelcroissants sind ein gutes Beispiel. Das Gebäck vom Vortag wird mit einer köstlichen Mandelcreme gefüllt, mit Mandelblättern belegt und nochmals gebacken — so entsteht ein köstliches neues Produkt. Ihre Zutaten und Produkte kaufen sie fast ausschließlich regional in Berlin und Brandenburg ein. Ein guter Kontakt zu ihren Produzenten ist ihnen wichtig. „Hier kann man etwas richtig Gutes bewegen“, freute sich Anders.

Unsere Gedanken zum Abschied

Als wir uns an diesem Morgen verabschieden und draußen unsere Eindrücke Revue passieren lassen, wird uns wieder einmal klar, wie wichtig es ist, das zu tun, was man gut kann und gleichzeitig liebt. Was daraus entstehen kann, wenn man seiner Leidenschaft folgt, ist in dieser Bäckerei überall zu sehen und zu schmecken. Es ist für uns von unschätzbar hohem Wert.
Mit einem Beutel voller Brotschätze und glücklich über unsere kleine gemeinsame Auszeit machen wir uns wieder auf den Weg nach Hause.

Links
Albatross bei Instagram
Verabredung zum Brot | Weitere schöne Eindrücke von Susanne Irmer

 

Bildkonzept und Worte: Susanne Irmer und Svenja Paulsen
Fotografie: Svenja Paulen

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